Lexikon des Hochwassernachrichtendienstes Bayern

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S

Schmelzrate
Um Schnee zu schmelzen, muß Wärme zugeführt werden. Diese erhält die Schneedecke durch Sonneneinstrahlung, durch warme Luft und Regen. Zur Berechnung der Schmelzrate müssen deshalb Lufttemperatur, Sonnenscheindauer, Globalstrahlung, Luftfeuchte und Niederschlag gemessen werden. Außerdem ist natürlich die Höhe der Schneedecke und ihr Wassergehalt von Interesse.

Sturzflut
Eine Sturzflut ist ein spezielles Hochwasser von kurzer Dauer und steilem Anstieg mit einer relativ hohen Hochwasserspitze. Sie wird von einem Regen hoher Intensität erzeugt, der über einem kleinen Einzugsgebiet niedergeht.

T

Tauflut
Bezeichnung für ein extremes Hochwasser, das durch Schneeschmelze und Regenfälle ausgelöst wird. -> Bodenfrost verstärkt oft zusätzlich den Abfluß.

Tiefdruckgebiet oder Tief
Ein Gebiet niedrigen Luftdrucks, das auch Zyklone oder Depression genannt wird. Auf der Nordhalbkugel drehen sich Tiefdruckgebiete in Richtung gegen den Uhrzeigersinn, auf der Südhalbkugel umgekehrt. Oft bilden sich Tiefdruckgebiete immer wieder an denselben Stellen des Globus. Sie werden deshalb z.B. Island-Tief oder Nordsee-Tief genannt. Das Adria-Tief - ein ganz typischer Tiefdruckwirbel - führt an seiner Ostflanke warme und feuchte Mittelmeerluft in unsere Breiten. -> Vb-Wetterlage

Tiefenerosion
Durch die Kraft des Wassers werden am Grund der Flüsse Bodenteilchen, Steine und Geröll bewegt. -> Feststofftransport. Je höher ein Hochwasser steigt, desto mehr Feststoffe kann es bewegen. Fällt der Wasserstand, dann lagert sich das Material wieder ab. Wird mehr abgetragen, als sich anlagert, so vertieft sich auf Dauer das Flußbett. Diesen Vorgang nennt man Tiefenerosion.

Treibhauseffekt
Die kurzwellige Sonnenstrahlung allein würde die Lufthülle der Erde nur auf kühle -18 Grad C erwärmen. Der Wasserdampf in der Atmosphäre sorgt dafür, daß auch die langwellige Strahlung aufgefangen wird. So erwärmt sich die Luft auf ein für Menschen erträgliches Maß von durchschnittlich 15 Grad C. Im Strahlungsbereich zwischen sieben und dreizehn Mikrometer Wellenlänge hat Wasserdampf allerdings keine Absorptionswirkung. Das bezeichnet man als "Wasserdampffenster". Es gibt Gase, die im Wellenlängenbereich des Wasserdampffensters Strahlung in Wärme umwandeln. Ist der Anteil dieser Gase in der Atmosphäre hoch, so erwärmt sich die Luft zusätzlich - das nennt man Treibhauseffekt. Die wichtigsten sogenannten "Treibhausgase" sind: Kohlendioxid, Methan, Distickstoffoxid, Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und Ozon.

Trendgerade
Ein Trend beschreibt eine langfristige Änderung des Mittelwertes. Aus der Steigung der Trendgerade ergibt sich das Maß der Veränderung in einem bestimmten Zeitraum.

U

Uferrehne
-> Rehne

V

Vb-Wetterlage
Im Jahre 1891 hat der Meterologe VAN BEBBERS die Tiefdruckzugbahnen bezeichnet. "Vb" (sprich: fünf B)ist der Name einer Tiefdruckbahn dieser Klassifikation. Eine "Vb" Wetterlage kann im Sommer zu gefürchtetem Hochwasser führen. Bei Nord- oder Nordwestlagen kommt kalte und feuchte Luft von Norden her. Werden gleichzeitig mit dem Adria-Tief über die "Zugstraße Vb" sehr warme und feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum herangeführt, dann entstehen tagelang anhaltende ergiebige Niederschläge. Die warm-feuchte Adrialuft gleitet auf die kalte Polarluft. So entstehen mächtige Wolken mit bis zu 7 km Höhe. Vom bayerischen Alpenrand bis hin nach Thüringen und Ostpreußen kann sich diese Wetterlage erstrecken. Häufig bezieht sie sogar das Warthe- und Weichselgebiet ein.

Verklausung
Teilweiser oder vollständiger Verschluß des Bachbettes durch Treibgut. Infolge des Rückstaus führt die Verklausung zu schnell und stark steigenden Wasserständen oberhalb des Hindernisses, die dann vom Wasser über- oder umflossen werden. Dadurch kommt es zu Ausuferungen und Überschwemmungen. Anfällig sind Engstellen des Gewässerbettes, wie verrohrte Bachstrecken oder Durchlässe zwischen Brückenpfeilern.

Vorabsenkung
Wird ein Hochwasser angekündigt, so können mittels Vorabsenkung die Speicherräume von Staustufen vergrößert werden. Wasser wird abgelassen und man gewinnt zusätzlichen Retentionsraum. Wegen der relativ kleinen Retentionsräume der Staustufen, muß die Absenkung zeitlich exakt abgestimmt werden. Nur dann läßt sich der Hochwasserscheitel senken.

W

Warmfront
-> Fronten

Wasseräquivalent
Für die Schneeschmelze ist der Wassergehalt der Schneedecke wesentlich. Er wird als Wasseräquivalent bezeichnet und zum Vergleich mit dem Niederschlag in Millimeter Wasserhöhe angegeben.

Wasserdampf
Wasser, das in Form von Gas und damit unsichtbar in der Luft enthalten ist. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen. Bei Abkühlung kondensiert der Wasserdampf zu Tröpfchen, die als Nebel oder Wolken sichtbar werden -> Kondensation.

Wasserscheide
Grenze zwischen den -> Einzugsgebieten.

Wasserstand
Die Höhe des Wasserspiegels eines stehenden oder fließenden Gewässers über oder unter einem angenommenen Nullpunkt, dem Pegelnullpunkt. Der Wasserstand wird in Zentimetern angegeben. -> Hydrometrie; -> Gewässerkundliche Hauptzahlen

Wellenablauf
Mit Wellenablauf wird die Änderung der Höhe des Scheitelabflusses und der Form einer -> Hochwasserwelle in ihrem Lauf flußabwärts bezeichnet. Maßgebend für den Wellenablauf sind die Abflußbedingungen. Einzelne hydraulische Faktoren, z.B. Querschnitt, Gefälle und Rauheit des Flußbettes bestimmen die -> Retention (Verformung durch Rückhalt) und Translation (Bewegung der Welle aufgrund der Fließgeschwindigkeit) der Hochwasserwelle.

Wellenüberlagerung
Zur Wellenüberlagerung kommt es, wenn die -> Hochwasserwelle eines Nebenflusses mit der Hochwasserwelle im Hauptfluß annähernd zeitgleich zusammentrifft. Durch Wellenüberlagerung addieren sich die Abflüsse beider Flüsse und der Wasserstand kann erheblich höher ausfallen.

Wildbäche
Wildbäche sind die charakteristischen Fließgewässer kleiner -> Einzugsgebiete im Hochgebirge. Sie weisen meist ein sehr starkes Gefälle auf und sind durch einen rasch und stark wechselnden Abfluß und zeitweise hohe Feststofführung gekennzeichnet.

Winterhalbjahr
-> Hydrologisches Jahr

YXZ

Zwergerlpegelkarte
Bezeichnung für miniaturisierte interaktive Pegelkarte mit Übersicht über die Meldestufen des Hochwassernachrichtendienstes. Eingeführt wurde die Z. 2003 im HND von Bayern. Sie besticht durch markante Farbgebung und treffende Kennzeichnung der Hochwassergefahr. Die Einzigartigkeit der Z. zeigt sich auch bei der -> Google-Suche.
-> Zwergerlpegelkarte ansehen

Zwischengebiet
Als Zwischengebiet wird das Einzugsgebiet eines Flusses zwischen zwei Pegeln bezeichnet.

Zyklonale West- oder Nordwestwetterlage
Bei der Zyklonalen West- oder Nordwestwetterlage handelt es sich um eine Großwetterlage, die sich in Mitteleuropa ungefähr einmal im Monat einstellt und mehrere Tage bis ca. zwei Wochen anhält. Von Westen bzw. Nordwesten kommen Tiefdruckwirbel mit kühler und feuchter Meeresluft heran -> Tiefdruckgebiet. Dabei kommt es zu einem wiederholten Wechsel von Dauerregen, Zwischenhoch und Schauern -> Fronten. Anhaltende Z. führen zu hohen Niederschlagssummen.