Lexikon des Hochwassernachrichtendienstes Bayern

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A

100-jährlicher Abfluss
Abfluss, der an einem Standort im Mittel alle hundert Jahre überschritten wird. Da es sich um einen Mittelwert handelt, kann dieser Abfluss innerhalb von hundert Jahren auch mehrfach auftreten. Wenn Meßzeiträume an Flüssen weniger als 100 Jahre umfassen, wird dieser Abfluss statistisch berechnet. -> Jährlichkeit

Abfluss
Der Teil des gefallenen Niederschlags, der in Bächen und Flüssen abfließt. Er wird gemessen als Wassermenge pro Zeiteinheit und wird in Kubikmeter pro Sekunde (m³/s) angegeben. Der Abfluss wird indirekt über die Geschwindigkeit des Wassers gemessen. Die mittlere Fließgeschwindigkeit wird multipliziert mit der durchflossenen Querschnittsfläche (m² x m/s=m³/s). Diese Messungen werden in größeren zeitlichen Abständen bei unterschiedlichen Wasserständen durchgeführt. Daraus wird eine Abflusskurve erstellt. Jedem gemessenen Wasserstand kann über diese Abflusskurve ein zugehöriger Abfluss zugeordnet werden.
-> Hydrometrie, -> Gewässerkundliche Hauptzahlen

Abflussbildung
Alle Vorgänge und Prozesse, die in einem Einzugsgebiet den Anteil des Niederschlags bestimmen, der nicht gespeichert wird und abfließt. Hierzu gehören die Speicherung im Gelände, Boden und Vegetation, die Infiltration und die Verdunstung.

Abflusskonzentration
Gesamtheit der Vorgänge, die den zeitlichen Verlauf des -> Abflusses (Anstieg und Rückgang) in einem Bach festlegen.

Abflussspende
Um den Abfluss aus -> Einzugsgebieten unterschiedlicher Größe vergleichen zu können, wird der Abfluss durch die zugeordnete Einzugsgebietsfläche geteilt. Die A. wird angegeben in Litern pro Sekunde und Quadratkilometer (l/s/km²). Zum Vergleich mit dem Niederschlag kann die Abflussspende umgerechnet werden in Millimeter Wasserhöhe pro Stunde (mm/h). Ein mm/h entspricht einer Abflussspende von 277 l/s/km². Die höchsten Abflussspenden bei kleinen Einzugsgebieten erreichen in Bayern über 2000l/s/km², also über 7,2 mm/h

Abflusstafel
Die Abflusstafel dient zur überschlägigen Ermittlung des -> Abflusses an einem Pegel, dessen Wasserstand bekannt ist.

Um eine kompakte Darstellung zu erreichen, stehen in jeder Zeile die Werte für jeweils einen vollen Meter in Schritten von 10 cm. Als Beispiel (siehe Bild) wird der Abfluss für einen Wasserstand von 130 cm bestimmt. Da der Eingangswert über 100 cm ist liegt das Ergebnis in der zweiten Zeile von Oben. Die Spalte in der der Wert liegt, ergibt sich aus den fehlenden 30 cm. Das Ergebnis liegt im Schnittpunkt der Zeile "100" und der Spalte "30". Es ergibt sich hier ein Abfluss von 121 m³/s. Zwischenwerte können linear aus den beiden benachbarten Zahlen interpoliert werden.

Advektive Niederschläge
Mit Advektion wird die horizontale Zufuhr von Luftmassen bezeichnet. Vertikale Bewegungen der Luft heißen -> Konvektion. Feuchtwarme Luftmassen können durch Advektion über kältere Luftmassen gleiten (Warmfront) oder kältere Luftmassen schieben sich unter wärmere Luftmassen (Kaltfront). Dann entstehen Niederschläge, die meist über mehrere Stunden andauern und eine geringe, sich wenig ändernde -> Niederschlagsintensität aufweisen. Das Niederschlagsfeld ist häufig größer als 1000 km². Der Volksmund bezeichnet advektive Niederschläge auch als,,Landregen" oder ,,Dauerregen".(-> Fronten).

Aue
Der tiefste, ebene Teil des Talbodens ist die Flussaue. Sie wird bei Hochwasser überflutet, wobei sich Feinmaterial ablagert. Aus diesen Ablagerungen haben sich auf vielen Talböden bis zu mehrere Meter mächtige Auelehmböden gebildet.

Aufgleitniederschläge
Beim Auftreffen warmer Luftmassen auf ruhende Kaltluft entstehender Niederschlag. Beim Aufsteigen der warmen Luft kondensiert der Wasserdampf infolge Abkühlung (Warmfront).

B

Bodenfrost
Bei anhaltend tiefen Lufttemperaturen gefriert das Wasser im Boden zu Eis. Bei starken Regenfällen läßt gefrorener Boden kaum Wasser versickern. Es entsteht hoher Oberflächenabfluss, der zu Hochwasser führen kann. Bekanntestes Beispiel für ein Hochwasser, bei dem der Bodenfrost in Teilen der Einzugsgebiete einen wesentlichen Ausschlag gab, ist das Hochwasser im Jahre 1909. Eine hohe Schneedecke kann tiefen Bodenfrost verhindern.

C

D

E

Einzugsgebiet
Für jede Stelle eines Gewässers läßt sich das Gebiet angeben, aus dem alles oberirdische Wasser dieser Stelle zufließt. Das Einzugsgebiet eines -> Pegels ist z.B.die Summe aller Gebiete, die dem Gewässer bis zu dieser Stelle Wasser zuführen. Für Untersuchungen des Wasserhaushaltes wird zusätzlich zwischen oberirdischem Einzugsgebiet und unterirdischem Einzugsgebiet unterschieden. Oft stimmen beide nicht überein. Extreme Unterschiede treten im Karst auf. Die Grenze des Einzugsgebietes wird durch die -> Wasserscheide markiert.

Eishochwasser
Eis entwickelt sich an Gewässern bereits dann, wenn die Temperaturen einige Tage unter Null Grad C liegen. Zuerst vereisen Bereiche mit geringer Fließgeschwindigkeit; bei fortschreitender Eisbildung engt sich der Fließquerschnitt immer mehr ein und die Wasserstände beginnen zu steigen. Große Gefahren kann der Abgang der Eisdecke erzeugen. Das Eis kann sich dabei an Engstellen zu Eisbarrieren aufstauen und damit den Abfluss des Wassers behindern. Wenn die Eisbarierre aufgrund des Wasserdruckes bricht, werden ähnlich einem Dammbruch plötzlich große Wassermassen freigesetzt. An den großen Flüssen ist die Hochwassergefahr durch Eis sehr zurückgegangen, seitdem es Stauhaltungen gibt. Wegen der Aufwärmung durch Kühlwasser bildet sich großteils gar kein Eis mehr.

ETA-Wert
Bei sich ständig änderndem Gewässerzustand, wie z.B. bei Verkrautung oder bei häufigen Änderungen der Gerinnehydraulik kann meist keine über einen längeren Zeitraum gültige -> Abflußkurve aufgestellt werden. Zur Lösung dieses Problemes hat sich das Eta-Verfahren bewährt, das die Festlegung der jeweils gültigen Abflußkurve mit Hilfe der Datenverarbeitung ermöglicht. Bei diesem Verfahren wird vorausgesetzt, daß jede Abflußmessung absolut richtig ist und alle Abweichungen von der zur letzten Messung gehörenden Abflußkurve aus Änderungen im Gewässer resultieren.

Extensive Bewirtschaftung
Bei der Extensiven Bewirtschaftung versucht der Landwirt mit möglichst wenig Kosten und Arbeitskraft die natürlichen Gegebenheiten zu nutzen. Ein klassisch extensives Nutzungsmodell ist die Viehweide. Da die Erträge bei extensiver Bewirtschaftung gering sind, müssen größere Flächen bewirtschaftet werden.

F

Feststofftransport
Fließendes Wasser führt feste Stoffe mit sich und transportiert sie flussabwärts. Bei starkem Gefälle und hoher Fließgeschwindigkeit können Gesteinsblöcke bis zu Durchmessern von mehreren Dezimetern bewegt werden. Das an der Flusssohle wandernde oder springende Geröll ist das Geschiebe. Im Wasser schwebende Feststoffe werden als Schwebstoff bezeichnet. Bei durchschnittlicher Fließgeschwindigkeit werden Feststoffe bis zur Größe feinen Sandes mitgeführt. Als Geschiebestoß wird der stoßweise Eintrag von Geschiebe aus Seitenbächen bei Hochwasser bezeichnet. Geschiebe- und Schwebstoffmengen sind stark von der Wasserführung, den Fließgeschwindigkeiten und der Feststoffzufuhr durch Verwitterung und Massenbewegung abhängig. Geschiebemengen um die 6000 Tonnen pro Jahr werden z.B. dem Sylvensteinsee durch die Isar zugeführt. 4000 Tonnen pro Jahr erreichen im Mittel jährlich den Chiemsee über die Tiroler Achen. Der Schwebstoffgehalt von lnn und Salzach kann im Mittel 100 bis 300 Gramm pro Kubikmeter Wasser betragen, während in Donau und Main deutlich weniger als 100 Gramm gemessen wurden.

Flurbereinigung
In den ländlichen Gebieten wird der Landschaftswandel durch die Flurbereinigung geprägt. Die wichtigsten Maßnahmen mit Auswirkungen auf den Wasserhaushalt sind:
- Neueinteilung der Grundstücke d.h. kleine Parzellen werden zusammengelegt,
- Rodung bzw. Aufforstung von Wald,
- Umwandlung von Grünland in Acker,
- Gestaltung der Wege und Wegseitengräben,
- Ausbau und die Verlegung von Bachläufen,
- Räumung der Gräben und Bäche,
- Ent- und Bewässerung,
- Planierung und Terrassierung.
Heute werden außerdem Wasserrückhaltemaßnahmen geplant.Rückhaltebecken und Kleinspeicherräume sowie die Neuanpflanzungen von Hecken und Bäumen tragen zum Wasserrückhalt auf der Fläche bei. Mit Hilfe der -> Extensiven Bewirtschaftung oder Neuanlage von ökologischen Flächen wird die -> Retention wieder verbessert.

Flussregulierung
Bei der Regulierung eines Flusses wird das Flussbett meist mehr oder weniger erweitert und das Ufer mit geeigneten Befestigungenin seiner Lage fixiert; Krümmungen werden begradigt und das Gefälle oft durch diese Verkürzung des Flusses vergrößert. In den meisten Fällen beginnt sich der Flusslauf dann einzutiefen. Querbauwerke z.B. Sohlschwellen, Abstürze, Wehre oder Staustufen verhindern die nachteiligen Wirkungen zu starker -> Tiefenerosion. Sie legen den Fluss auch im Längsschnitt fest. Bei der Niedrigwasserregulierung wird - wegen der Schiffbarkeit - die Wassertiefe durch zusätzliche Einengung der Strömung mit Buhnen und Längsleitwerken erhöht.

Flutmulde
Künstlich angelegtes Flussbett, das nur bei Hochwasser durchflossen wird. Damit wird z.B. in Landshut die Wasserführung der Isar bei Hochwasser um den Ortskern herumgeführt. Überschwemmungen der Altstadt lassen sich durch diese Flutmulden vermeiden.
Die Flutmulde in Landshut

Fronten
Fronten markieren Luftmassen unterschiedlicher Herkunft und Eigenschaften. Bei einer Warmfront rückt warme gegen kalte Luft vor. Gleitet Warmluft auf Kaltluft auf, entsteht Schichtbewölkung mit länger anhaltenden Niederschlägen. Ist dagegen bei einer Kaltfront kalte Luft auf dem Vormarsch, dann schiebt sich die kalte Luft unter die warme und hebt sie hoch. Die entstehenden Haufenwolken, sogenannte Cumuluswolken, entladen sich mit heftigen Niederschlägen. Eine Kombination aus Warm- und Kaltfront ist die Okklusionsfront. Sie bildet sich, wenn die Kaltfront die vorauseilende Warmfront einholt und sie in die Höhe hebt.